Wirkungsnetz-Denken und -Handeln

Die Zukunft in Bildung und Praxis neu und wertorientiert gestalten.

Komplexitätsbewältigung durch Vernetzte Strategien des Denkens und Handelns.

Januar 2013

Zu Beginn werden zwei  Beispiele von Wirkungsnetzen, eines zum Bachelor-Studium, das andere allgemein zur Bildungspolitik, präsentiert, wie es sich auszugsweise in den komplexen Zusammenhängen der Bildung zeigt.

Der Bologna-Prozess zur internationalen Ausrichtung von Studienabschlüssen (Bachelor BA und Master MA), die unter anderem bewährte Diplomabschlüsse an deutschen Hochschulen  und Universitäten ersetzen, treibt seit 1999 seltsame Blüten. Allein die vielfach falsch verstandene Fixierung auf ein maximal 6-semestriges BA-Studium hat dazu geführt, dass bewährte Diplom-Studiengänge mit teils mehr als 6 Studiensemester in das Korsett des BA gezwängt wurden, ohne an den Strukturen grundlegend etwas zu ändern. Das hat sich mit der Zeit in vieler Hinsicht gerächt.

Bildungsgipfel Ahoi!

Die Politiker werden nicht müde, sich auf immer neuen “Bildungsgipfeln” (?), weitgehend unter Abwesenheit  der eigentlich betroffenen Studierenden oder deren Vertreter, im eigenen Glanz zu präsentieren, und mit zweifelhaften Detailvorschlägen den Bürgern Fortschritte in der Bildung vorzugaukeln. Vielfach sind das Lösungen von kurzer politischer Lebensdauer, die in Details gut sind, aber aus ganzheitlicher Sicht katastrophal wirken.

Nachhaltige Bildungskomplexität ist nicht teilbar!

Es ist wie es ist!

Komplexe Bildung – zumal in einer Übergangsphase – lässt sich nicht einfach in kleine Schubladen mit bildungspolitischen Lösungen verstauen, die beliebig, je nach politischem Kalkül, geöffnet und als Fortschritt präsentiert werden. Was notwendig ist, ist ein

Denken in  bildungspolitischen Wirkungsnetzen!

Erst daraus ergeben sich werthaltige – qualitative und quantitative – Handlungen für nachhaltige Lösungen.

Wie ein derartiges Wirkungsnetz bildungsorientierter Einflüsse aussieht, ist anschließen in zwei Graphiken zu sehen.

In der ersten Graphik ist eine ausgesuchte Zahl von gesellschaftlichen “Einflüssen” auf das Bachelor-Studium miteinander durch Pfeile – die Richtung und Wirkungsstärke von … auf … andeuten – vernetzt. Das erscheint auf den ersten Blick sehr undurchsichtig und willkürlich, ist aber das bildhafte Ergebnis von realistischen Zusammenhängen, wie sie von Studierenden, Lehrenden, Verwaltungsangestellten und anderen Menschen, die in einem speziellen Bildungsbereich befragt wurden, gesehen werden.

Die daraus erarbeiteten Ergebnisse mit Schwächen und Stärken in diesem speziellen Bildungskomplex, der für die lebensnahe Erarbeitung des Wirkungsnetzes-Bachelorstudium zugrunde gelegt worden ist, kann in der Veröffentlichung:

→ 2010, U. Küppers, Das Bachelorstudium aus systemischer Sicht, QiW, Qualität in der Wissenschaft, 1/2010, 12-19, ausführlich nachgelesen werden.

 

2010 BA_W-Netz

 

Dem zweiten Bildungs-Wirkungsnetz liegt bereits ein erkennbares grundlegendes Handlungsmuster zugrunde, wie es auch aus anderen gesellschaftlichen Zusammenhängen vielfach erkennbar ist: Qualität gegen Quantität! Beide Ziele stehen aber selten alleine, erst recht nicht in einem komplexen Umfeld wie der Bildung. Erst die realistische Verknüpfung beider Zyklen führt zu einem besseren Erkennen der Probleme und Chancen im Bildungsumfeld, die mit den herkömmlichen linearen und teils isoliert durchgeführten Lösungsmethoden kaum Aussicht auf nachhaltige, Erfolg versprechende Lösungen besitzen.

 

uk_Bildung+Politik 300dpi

 

Das (+)-Zeichen symbolisiert verstärkte Wirkungsbeziehung, das (-)- Zeichen symbolisiert schwächende Wirkungsbeziehung. Beispielsweise wenn die Qualität der Lehre besser (stärker) wird, wirkt sich dies auch verstärkt auf die Zahl der Studierenden in der Vorlesung. 

Der gezeigte Bildungs-Wirkungskomplex in der zweiten Graphik kann – wie auch im ersten Wirkungsnetz – Schritt für Schritt – ohne den Gesamtzusammenhang zu vernachlässigen – qualitativ und quantitativ “verbessert” werden. Das spart i.d.R. gegenüber vielen, parallel laufenden Detaillösungen enorm viel Zeit und Folgekosten.

 

Ist es erst gelungen, die entscheidenden realen Einflüsse auf ein (spezifisches oder allgemeines) Bildungsproblem an einer Bildungseinrichtung in einem Gesamtzusammenhang zu bringen, wie es die Graphik auszugsweise zeigt, dann kann die eigentliche Handlung bzw. können Handlungen zur Problemlösung – mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Erfolg – beschritten werden.

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Januar 2013

Wirkungsnetz-Denken bedeutet:

Zusammenhänge erkennen, ganzheitlich werten und nachhaltig lösen.

Es ist unstreitig, dass die Komplexität in Umwelt und Gesellschaft zunimmt. Mit ihr steigt die Herausforderung, nachhaltige, fehlertolerante und zugleich wirtschaftliche Lösungen zu entwickeln. Noch immer und überwiegend lösen und reparieren wir Probleme nach linearen (mono)kausalen Mustern; sozusagen entlang einer oder mehrerer Ketten von Arbeitsabläufen.

Wir erzielen kurzfristige Erfolge, verdrängen oder ignorieren dabei aber die uns immer umgebenden, realen, komplexen Zusammenhänge. Warum?

Weil wir nicht gelernt haben, uns mit komplexen Problemen von Grund auf auseinander zu setzen. Wir vereinfachen lieber, um Probleme überschaubarer zu machen und ohne die zeitversetzten Konsequenzen ausgiebig zu berücksichtigen.

Zeit ist Geld (!?) heißt es – in unserer getriebenen Welt. Fatale ökonomische, ökologische und soziale Mehrbelastungen (Folgekosten) sind die bekannten Auswirkungen dieses linearen Denkens und Handelns.

Wirkungsnetz-Denken ist geeignet, Probleme und Folgeprobleme zu vermeiden, zumindest aber abzuschwächen, wo immer sie erkannt werden oder bereits ihre belastende Wirkung zeigen.

Wirkungsnetz-Denken ist kein Allheilmittel für alles Problemlösen. – Aber es ist jeder klassischen „Ranking“-Methode (die insbesondere gerne bei öffentlicher Auftragsvergabe angewandt wird: Das billigste Angebot gewinnt!) weit überlegen, nicht zuletzt deshalb, weil es realitätsnäher und somit vernetzter die komplexen Probleme löst.

Mit Wirkungsnetz-Denken öffnen sich Bildungseinrichtungen, Handwerksbetrieben, öffentliche Verwaltungen, Wirtschaftsunternehmen, Banken und nicht zuletzt die eine Gesellschaft gestaltende Politik – in all ihren Facetten – Chancen, Wege in eine nachhaltige und werthaltige Zukunft fehlertolerant und vorteilhaft zu lenken. 

Andere werden das Nachsehen haben!

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